Die schönste Einsendung zum zweiten Thema: Welches ist dein Lieblingstier?
Viele von euch haben mir zu meinem zweiten Thema geschrieben. An alle vielen Dank! Die schönste Einsendung kam von Lenka aus Scheinfeld. Vielen Dank, liebe Lenka, dass du mir und anderen Kindern von deinen Erlebnissen berichtet hast!
Tschau, tschau!
Bruno Braun
Lenkas Einsendung:
Fledermäuse in Not
Schon seit Jahren beschäftige ich mich mit Fledermäusen, weil meine Eltern Biologen sind. Immer wieder bekommen wir flugunfähige, manchmal auch tote Fledermäuse ins Haus; im Schnitt zehn pro Jahr. Im Jahr 2006 hatten wir insgesamt zwölf Fledermäuse von sechs verschiedenen Arten, davon drei tote. Ich habe die Tiere bestimmt und durfte die Pflege der hilfsbedürftigen selbstständig übernehmen. So konnte ich die Fundtiere aus nächster Nähe gut beobachten. Die Geschlechtbestimmung der Tiere war einfach, da bei den ♂ der Penis deutlich zu sehen war. Das Geschlechtverhältnis der Fundtiere war 50:50. Es waren fünf Adulte und sieben Juvenile dabei. Die Jungtiere waren dunkler gefärbt als die Alttiere. Zwei der Tiere sind vermutlich Katzen, zwei andere dem Straßenverkehr zum Opfer gefallen.
Gewogen habe ich die Tiere mit einer Digitalwaage, die Unterarmlänge habe ich mit einem Lineal gemessen. Meine Pfleglinge hatten einen geräumigen Holzkasten zur Verfügung, für das Flugtraining benutzte ich Mamas Schlafzimmer. Von den neun Pfleglingen sind drei verstorben, sechs konnte ich freilassen. Von allen Futtertieren waren Mehlkäferlarven (die Käfer selbst aber nicht) am beliebtesten und bei den größeren Arten auch Zoophobas. Von Fliegen wurde am liebsten das Puppenstadium gefressen, die Fliege verschmäht. Nicht jede Fledermausart hatte die gleichen Vorlieben. Kleine Arten fraßen weder Heuschrecken noch Falter. Spinnen waren unbeliebt. Neben Ultraschalllauten gaben meine Pfleglinge auch hörbare Laute von sich: Z-Laute, Verlassenheitslaute, Schnurrlaute und Schmatzlaute. Meistens hingen die Tiere mit dem Kopf nach unten. Sie waren sehr reinlich; zum Pinkeln und Kacken drehten sie sich mit dem Kopf nach oben. Sogar die Jungtiere säuberten sich selbstständig ihr Fell und leckten sich die Flughäute.
Manche Pfleglinge wurden zahm und haben mich wieder erkannt. Am interessantesten fand ich die Kleinabendseglerfamilie (Mutter Liesel mit den Babys Popcorn und Konfetti). Am Fundtag waren die Babys ca. drei Wochen alt und hingen die ersten Tage praktisch immer an Liesels Zitzen. Im Alter von fünf Wochen fraßen sie selbstständig Mehlwürmer. Mit vier Wochen streckten und putzten sie ausgiebig ihre Flügel und zwei Wochen später waren sie flügge. Nach zehn Tagen Flugtraining konnte ich das Trio wieder am Fundort freilassen. Die Pflege von Fledermäusen ist zeitaufwändig, macht mir aber großen Spaß. Da Fledermaus♀ nur ein bis zwei Junge im Jahr haben (aber dafür recht alt werden können), halte ich es für sinnvoll, auch einzelne Tiere aufzupäppeln. Fundtiere sind auch von wissenschaftlichem Interesse; sie liefern Daten über die Verbreitung von Fledermäusen in unserer Heimat. Wer eine flugunfähige Fledermaus findet und sie selbst nicht pflegen kann, sollte sich an die nächste Naturschutzbehörde, den LBV, den BN oder die Koordinationsstelle für Fledermausschutz wenden.